Nordthüringer Lebenshilfe gGmbH
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Konzept

KONZEPTION

Beratungsstelle „Mittendrin“
bei den Ambulanten Diensten der Nordthüringer Lebenshilfe gemeinnützige GmbH

0.     Einleitung

Aufgabe und Zweck der Gesellschaft ist es, integrative Einrichtungen, Einrichtungen zur Beratung, Betreuung und Bildung, zur Familienentlastung, zum Wohnen (ambulant und stationär), zur Freizeitgestaltung und Rehabilitation lern-, geistig-, seelisch- und mehrfach behinderter sowie suchtkranker und demenzkranker Menschen anzuregen, zu schaffen und selbst zu unterhalten. Alle diese Maßnahmen dienen einer wirksamen Eingliederung dieses Personenkreises im Sinne der Sozialgesetzbücher (SGB II, SGB III,  SGB VIII, SGB IX, SGB XI und SGB XII).

Die Gesellschafter der Nordthüringer Lebenshilfe gemeinnützige GmbH sind

  1. die Lebenshilfe Kreisvereinigung Nordhausen e.V. zu 50 % und
  2. der evangelische Kirchenkreis Südharz zu 50 %.

Beide gehören dem Spitzenverband der Diakonie (Diakonisches Werk der evangelischen Kirchen Mitteldeutschlands e.V.) an.

Unter dem Dach der Ambulanten Dienste der Nordthüringer Lebenshilfe gemeinnützige GmbH ist die Beratungsstelle „Mittendrin“ für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen als ambulante und mobile Dienstleistung organisiert. Sie wurde 2005 eröffnet und über einen Zeitraum von fünf Jahren von der Aktion Mensch gefördert.

Seit Gründung hat sich die Beratungsstelle mit ständig steigenden Nutzerzahlen als qualifiziertes und nachgefragtes Angebot etabliert, mit dem eine Lücke zwischen den bestehenden Angeboten für Menschen mit Behinderungen des Landkreises Nordhausen geschlossen wurde. Es gab und gibt kein vergleichbares Angebot in der Region.

Die Beratungsstelle arbeitet überregional (bundesweit) und trägerübergreifend.

1. Ausgangssituation

Menschen mit Behinderungen bzw. die für sie verantwortlichen oder ihnen nahe stehenden Menschen sehen sich häufig einer Vielzahl von Fragestellungen gegenüber und haben auf der Suche nach passenden Hilfsangeboten im Laufe der Zeit nicht selten viele entmutigende Erfahrungen sammeln müssen. Im so genannten „Behördendschungel“ werden Betroffene häufig von einer Institution zur nächsten geschickt, mit komplizierten Antragsverfahren allein gelassen und erhalten nicht immer eine umfassende Beratung über die ihnen zur Verfügung stehenden Hilfen. Ein spezielles Beratungsangebot für Menschen mit Behinderung kommt dem hier offensichtlichen Bedarf an Vernetzung nach und kann den Betroffenen ohne unnötige Umwege Zugang zu individuellen und effektiven Hilfeleistungen ermöglichen.

2. Zielgruppe

Die Beratungsstelle ist ein überregionaler Ansprechpartner für alle Rat suchenden Betroffenen: Menschen mit einer körperlichen, geistigen, seelischen Behinderung, Sinnesbehinderung, psychischen Erkrankung, von Behinderung bedrohte Menschen, Kinder mit Entwicklungsverzögerungen sowie ihre Angehörigen, Freunde und Bekannte, Mitarbeiter anderer Institutionen, gesetzliche Vertreter, Selbsthilfegruppen , Vereine usw.

Die Beratungsstelle „Mittendrin“ ist eine von sowohl den Angeboten anderer Träger als auch des eigenen Trägers unabhängige Anlaufstelle für Anfragen jeder Art im Zusammenhang mit den geltenden gesetzlichen Rechtsvorschriften im Rahmen der Behindertenhilfe, insbesondere dem SGB IX und dem SGB XII (aber auch mit dem SGB II, III, V, VI, XI).

3. Leitziele der Beratungsstelle

Motto: ein Ansprechpartner für alles

Das Ziel der Beratungsstelle ist die trägerübergreifende Koordination aller Angebote der unterschiedlichsten Akteure, Träger und Institutionen.
Die Vernetzung der sozialen und arbeitsmarktpolitischen Hilfsangebote für behinderte Menschen sichert den zeitnahen, effektiven Informationsaustausch für den zu Beratenden. Es werden Kräfte gebündelt, damit personelle und finanzielle Ressourcen geschont werden und ein abgestimmtes, effektives Vorgehen für die Betroffenen ermöglicht wird.

Weitere Ziele sind:

  1. Sicherung der bürgerlichen Rechte der Betroffenen
  2. Mobilisierung von Selbsthilferessourcen und Stärkung der Eigenkompetenz
  3. Ausgleich von Benachteiligungen
  4. Ermöglichung eines maximal selbst bestimmten Lebens
  5. Förderung der Integration und Inklusion

4. Aufgaben und Angebotsumschreibung

Zu den Aufgaben der Beratungsstelle gehören:

1.    Information über Angebote und Hilfen wie z.B.

  • Frühfördermöglichkeiten
  • Bildungs- und Lehrgangsangebote
  • berufliche und soziale Rehabilitation
  • Arbeitsmöglichkeiten
  • verschiedene Wohnformen
  • Entlastungsvarianten (z.B. Familienentlastender Dienst, Kurzzeitpflege)
  • Freizeitangebote
  • Therapiemöglichkeiten
  • Dienste und Einrichtungen

2.    Orientierungshilfe im Sozialleistungsrecht (SGB, z.T. auch BGB z.B. Erbschaftsrecht, Haftung, Versicherungsrecht)

3.    Unterstützung bei der Beantragung von Leistungen, Hilfe beim Widerspruchsverfahren;

4.    Beistand und Begleitung bei Behörden-/Gutachterterminen (z.B. Amtsgericht, MdK);

5.    Case-Management und Vermittlung

  • zu den genannten Angeboten
  • zu weiteren Beratungsangeboten
  • zu/zwischen Behörden
  • zu Fachärzten
  • von Rechtsberatung

6.    Beratung und Begleitung in finanziellen Angelegenheiten

7.    Beratung bei technischen / pflegerischen Fragen (Hilfsmittelberatung)

8.    Beratung und Begleitung im psychosozialen Bereich (Freizeit; allgemeine Lebensberatung; Zukunftsplanung; in besonderen Lebenssituationen z. B. bei Partnerproblemen, in Krisensituationen; beim Ablösungsprozess des behinderten Menschen vom Elternhaus);

9.    Beratung zur Alltagsgestaltung und Tagesstrukturierung

10.  Beratung und Information von Gruppen, anderen Institutionen und öffentlichen Verwaltungen

11.  Hilfe zur Selbsthilfe

Grundsätze der Beratungsarbeit sind:

Die Beratung ist  vertraulich und kostenlos.

Die Beratung erfolgt überregional, trägerübergreifend und klientenorientiert, d. h. die Hilfen richten sich nach der individuellen Bedarfslage der Betroffenen.

Das Beratungsbüro bietet regelmäßige Sprechzeiten an, wobei flexibel auf akute Bedarfe eingegangen wird.

Jeder hat Anspruch auf Beratung, dabei ist das Prinzip der Freiwilligkeit des Ratsuchenden eine unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg.

Die Beratungsstelle bietet Informationen und Unterstützung an, koordiniert, begleitet, vermittelt und vernetzt. Die Beratung bezieht sowohl die kurzfristige informationsorientierte Beratung als auch die mittel- bis längerfristig angelegte problemorientierte Beratung mit ein. Sie beschränkt sich dabei nicht nur auf die Vermittlung von Sachinformationen, sondern versucht, den Problemprozess durch Reflexion der Lösungsalternativen zu strukturieren und zu steuern (Kontaktaufnahme, Information, Aufzeigen von Hilfsmöglichkeiten, Motivationsarbeit, Orientierung und Vermittlung).

Die Beratungsstelle stellt fest, ob andere Hilfeangebote oder Einrichtungen dem Betroffenen und/oder der Familie mit dem behinderten Angehörigen die notfalls erforderliche Unterstützung bieten können (z.B. andere ambulante oder stationäre Angebote; spezialisierte Ärzte, Therapeuten, Kliniken; anderweitige Beratungsangebote wie die der Erziehungs-, Ehe-, Schuldner-, Suchtberatungsstellen), vermittelt weiter oder stellt die entsprechenden Kontakte her.

Die Bedeutung der Selbsthilfe (Eltern beraten Eltern bzw. Menschen mit Behinderung beraten einander) in Ergänzung zu professioneller Fremdhilfe ist allgemein anerkannt. Deshalb zählt die Anregung und Unterstützung von Selbsthilfe ebenfalls zu den Aufgaben der Beratungstätigkeit.

Hausbesuche werden angeboten, wenn es Interessenten auf Grund ihrer Behinderung nicht möglich ist, die Beratungsstelle aufzusuchen.

5. Räumliche und sächliche Ausstattung

  1. barrierefreier Zugang (Fahrstuhl) und barrierefreie Räumlichkeiten (einschließlich Sanitäreinrichtung)
  2. Beratungsraum mit entsprechender Ausstattung und Arbeitsmaterial
  3. Telefon, Fax, E-Mail, Computer, Kopierer
  4. sonstige Sachmittel
  5. Möglichkeit der mobilen und aufsuchenden Beratung (Hausbesuche, Beratung von Gruppen)
  6. Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln (zentrale Lage im Stadtzentrum)

Bei Bedarf, zum Beispiel bei Gruppeninformationsveranstaltungen, kann auch auf weitere Räumlichkeiten zurückgegriffen werden.

6. Personal

Die Beratung erfolgt durch eine qualifizierte und erfahrene Fachkraft. Ein/-e Sozialarbeiter/-in bzw. Sozialpädagoge/-in mit Fachhochschul- bzw. Hochschulabschluss mit entsprechender Zusatzqualifikation für Beratung übt die Beratungstätigkeit aus. Die Beratungsstelle ist dem Bereich der Ambulanten Dienste der Nordthüringer Lebenshilfe gemeinnützige GmbH angegliedert; dieser wird von einer/einem Diplom-Sozialwirt/in (FH) geleitet.

Durch die Angliederung an den Bereich Ambulante Dienste der Nordthüringer Lebenshilfe gemeinnützige GmbH nimmt der/ die Mitarbeiter/in der Beratungsstelle an wöchentlich statt findenden Teambesprechungen teil und ist zur Teilnahme an Supervision und beruflicher Fortbildung verpflichtet. Die Nordthüringer Lebenshilfe gemeinnützige GmbH stellt Supervisionen durch eine außen stehende Fachkraft sicher, ermöglicht und unterstützt die Teilnahme an Fortbildungen und berufsbegleitenden Maßnahmen.

Die Beratungsstelle bietet Studierenden der Fachhochschule die Möglichkeit, Praktika zu absolvieren.

Neben der unmittelbaren Beratungstätigkeit sowie Fort- und Weiterbildung fallen angemessene Zeiten für die Koordination und Absprachen mit anderen Trägern, Ämtern, Behörden und anderen Institutionen an. Ebenso wird Zeit für die Dokumentation und Konzeptentwicklung benötigt. Eventuelle Fahrzeiten für Hausbesuche werden berücksichtigt.

7. Öffentlichkeitsarbeit

Regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit wird über die lokale Presse (Tagespresse, Anzeigenblätter), über das Internet (eigene Homepage des Trägers, Veröffentlichung des Angebots auf zahlreichen Netzwerkseiten, unter anderem von Aktion Mensch, vom Familiennetzwerk des Landkreises oder vom Kompetenzzentrums zum Persönlichen Budget) und durch das Auslegen von Flyern (bei Behörden, Ärzten, sozialen Einrichtungen etc.) geleistet.

Darüber hinaus wird die Arbeit der Beratungsstelle durch aktive Mitarbeit in Netzwerken und Arbeitskreisen regelmäßig bekannt gemacht.

Eine Vorstellung des Beratungsangebotes bei Selbsthilfegruppen und entsprechenden Vereinen erfolgt in regelmäßigen Abständen sowie auf Nachfrage.

8. Qualitätssicherung

Mit Einhalten der Struktur- und Prozessqualität wird die entsprechende Ergebnisqualität erreicht. Die Organisation des Prozesses erfolgt in folgenden Schritten:

  • Anfrage durch die/den zu Beratenden
  • Erstgespräch und Ermittlung des jeweiligen Beratungsbedarfes
  • Kontaktaufnahme zu dem weiterführenden Angebot
  • Vereinbarung über Termine und Verlauf der Beratung
  • Festlegen von Maßnahmen
  • Abschluss durch entsprechende Rückkopplung

Hierfür wird eine entsprechende Dokumentation geführt.

In der Ergebnisqualität erfolgt die Prüfung, ob durch die definierte Strukturqualität (die notwendigen Rahmenbedingungen) und die eingehaltene Prozessqualität (die Art und Weise der Erzeugung und das Erhalten des Ergebnisses) tatsächlich das angestrebte Resultat erreicht worden ist. Hierbei stehen die Qualitätsmerkmale Zielerreichung, Zufriedenheit der Klienten und statistische Aufbereitung der Arbeit im Mittelpunkt.

Die statistische Auswertung erfolgt mit Hilfe eines entsprechenden Computerprogramms unter Verwendung anonymisierter Daten.

Die Qualität der Beratungsarbeit lässt sich nicht allein an der Zahl der durchgeführten Beratungsgespräche messen. Deshalb erfolgt die Auswertung der Ergebnisse, die die Praxis von Beratungsarbeit im engeren Sinne betreffen, auch im Team bzw. gemeinsam mit der Leiterin der Ambulanten Dienste. Es wird kritisch auf die einzelnen Ergebnisse geschaut und diese werden in Beziehung zum Bedarf der Ratsuchenden und zum konkreten Auftrag der Beratungsstelle gesetzt. Dabei ist wichtig, ob die beabsichtigten Ziele erreicht wurden, warum andere Ergebnisse erzielt wurden und welche Veränderungen zu einer Verbesserung der Leistung der Beratungsstelle führen können.

Einen Rückschluss auf die Qualität der Beratungsarbeit lässt auch die Weiterempfehlung des Angebotes durch Klienten zu.

Datenschutz und Schweigepflicht sind in der Beratungsstelle untrennbar mit der Qualitätssicherung verbunden. Die Bestimmungen des Datenschutzes werden entsprechend der geltenden Rechtssprechung eingehalten.

Unser Konzept als PDF.

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Ihre Ansprechpartnerin Beratungsstelle

Jana Lenz
jlenz@nordthueringer-lebenshilfe.de
03631 4634840
Bahnhofstraße 20a
99734 Nordhausen